Welches Dateiformat sollte mein Diktiergerät können?

Bei der Wahl des passenden Diktiergerätes wirst du über viele Abkürzungen stolpern. Einige davon sind zum Beispiel die Dateiformate MP3, WAV und DSS (Pro). Nach mehreren Dutzend getesteter Diktiergeräte kann ich dir im Folgenden nicht nur die theoretische Erklärung geben, sondern diese auch mit passenden Praxiserfahrungen ergänzen.

MP3

Was steckt hinter dem MP3 Format?

Das MP3 Format dürfte dir geläufig sein – denn es wird in jedem modernen Musikplayer benutzt und ist in der Technikwelt seit Jahrzehnten weitläufig etabliert. Ursprünglich am Fraunhofer Institut entwickelt, hat es sich zum Standard für die Wiedergabe von Tondateien gemausert. Nicht wenige Diktiergeräte bieten eine Speicherung deiner Sprachaufnahmen in MP3 an.

Welche Eigenschaften hat das MP3 Format?

Das MP3-Format wird je nach Gerät mit einer Datenrate von 128 kBit, 256 kBit oder 320 kBit abgespeichert. Generell gilt: Je höher die Datenrate, desto besser der Klang. Umso größer fällt am Ende aber auch die Sprachdatei aus. Die Unterschiede sind gerade bei hochwertigen Tonaufnahmen deutlich hörbar.

Unabhängig von der eingestellten Datenrate profitiert das MP3 Format per se von der sehr guten (aber auch verlustbehaftete Kompression). Dadurch nehmen die Sprachaufzeichnungen nicht so viel Platz im internen Speicher deines Diktiergerätes oder auf der Speicherkarte ein.
MP3 gilt bei Diktiergeräten als Standard. Die Tonaufnahme kannst du dir im Nachhinein komfortabel anhören, an bestimmte Stellen springen oder auch bequem vor- und zurück spulen. Ein nachträgliches editieren der Aufnahmen ist mit einem handelsüblichen Diktiergerät dagegen nicht möglich.

Welches Diktiergerät nutzt MP3: Diktiergeräte wie das Olympus WS853 nutzen beispielsweise das MP3 Format, um maximal Platz zu bieten. Durch die Komprimierung erhälst du so alleine bei dem internen Speicher von 8GB eine mögliche Aufnahmezeit von über 2.000 Stunden. Die lässt sich mit einer zusätzlichen externen Speicherkarte sogar noch deutlich weiter nach oben treiben. Für Vielnutzer ein entscheidendes Kriterium.

WMA (Windows Media Audio)

Sprachdateien im WMA Format

Viele Olympus-Diktiergeräte bieten entweder MP3 oder das Microsoft eigene WMA Format als guten Kompromiss aus Qualität und Speichergröße.

Was steckt hinter dem WMA Format?

WMA ist in am ehesten mit dem gerade vorgestellten MP3 Format zu vergleichen. Es ist quasi Microsofts hauseigene Antwort darauf.

Welche Eigenschaften hat das WMA Format?

Auch bei WMA wird deine Sprachaufzeichnung komprimiert, um letztlich Speicherplatz zu sparen. Diese Komprimierung wurde über die Jahre immer weiter optimiert, sodass die Klangqualität möglichst wenig darunter leidet. Leichte, aber meist kaum hörbare Verluste gibt es natürlich dennoch.

Da es sich bei WMA um ein proprietäres Format von Microsoft handelt, solltest du natürlich auf die Kompatibilität achten. Auf deinem PC kann der Windows Media Player oder der VLC Player deine Sprachaufzeichnungen wiedergeben. Auch der Mac kann das WMA Format mittlerweile erkennen. Probleme kann es bei älteren Apple-Geräten wie dem I-Pod geben.

Welches Diktiergerät nutzt WMA: WMA ist bei Diktiergeräten nicht mehr so weit verbreitet. Durch die höhere Kompatibilität hat sich eher das MP3 Format durchgesetzt. Unter meinen Testgeräten findest du das Olympus VN-541PC, welches auf WMA setzt. Mit seinen 4 GB internen Speicherplatz ist die Entscheidung für komprimierte und schlanke Dateien genau richtig vom Hersteller.

WAV

Was steckt hinter dem WAV Format?

Das WAV Format ist das zweithäufigste in Diktiergeräten. Es hält sich an das Resource Interchange File Format (RIFF) von Microsoft, welches zum Erkennen und Speichern von multimedialen Daten benutzt wird.

Welche Eigenschaften hat das WAV Format?

Sprachaufzeichnungen im WAV Format liegen – anders als Dateien im MP3- oder WMA-Format – unkomprimiert im internen Speicher oder auf der Speicherkarte deines Diktiergerätes. Deswegen verbrauchen sie auch deutlich mehr Speicherplatz.

Der Vorteil: durch die unkomprimierte Speicherung erhälst du natürlich auch ein gutes und unverfälschtes Klangbild. Dezente Abstufungen gibt es hier noch je nach benutzter Sampletiefe von 8, 16, 24 oder 32 Bit und der Abtastrate (44,1 kHz oder höher).

Welches Diktiergerät nutzt WAV: Diktiergeräte, die nur WAV Format unterstützen und zugleich wenig internen Speicher besitzen, können an ihre Grenzen kommen. Das habe ich im Test vom Philips Voice Tracer bereits gemerkt. Bietet dein Diktiergerät genügend Kapazität, kannst du dem gelassen entgegen sehen und von einer besseren Wiedergabequalität profitieren.

DSS (Digital Speech Standard)

Was steckt hinter dem DSS Format?

Hochwertige Profi-Diktiergeräte bieten neben dem herkömmlichen MP3 Format das bessere DSS-Format oder gar DSS-Pro. Dieser Standard wurde ursprünglich von den großen Diktiergeräte-Herstellern Grundig, Olympus und Philips in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit speziell für die Speicherung von Sprachaufnahmen entwickelt.

Welche Eigenschaften hat das DSS Format?

DSS überzeugt mit einer extrem hohen Komprimierungsrate bei nur geringem Datenverlust. Anders gesagt erhälst du platzsparende Sprachdateien, die zugleich nicht zu sehr an Qualität eingebüßt haben. Quasi das Beste aus MP3 und WAV. Somit hast du unterm Strich natürlich auch mehr Kapazität zur Verfügung.
Das wird erreicht, weil beim DSS durch intelligente Erkennung nur der wirklich relevante Teil der Sprache komprimiert wird. Eine 10 minütige Tonspur belegt gerade mal einen Megabyte in deinem internen Speicher oder auf deiner Speicherkarte. Je kleiner die Datei, desto schneller kannst du sie natürlich auch per USB auf deinen PC übertragen, als E-Mail verschicken oder in der Cloud speichern.

Aber auch in Sachen Bedienung bietet das DSS Format einige nützliche Komfortfuktionen: so kannst du die gesprochenen Textpassagen nachträglich noch bearbeiten und sogar zwischendrin neue Textteile einfügen (“Insert”). Damit bist du beispielsweise als Zweitsprecher in der Lage einer vorhandenen Tonspur Kommentare oder Anweisungen hinzuzufügen. Oder du reicherst bestehende Tonspuren mit einer Einleitung zum Autor, zur Verwendung oder anderen Metainformationen an.

DSS Pro

DSS Pro ist eine konsequente Weiterentwicklung und Modernisierung des ursprünglichen DSS Formates und merzt gezielt dessen Schwächen aus. Einerseits wurde die Abtastrate auf 16 kHz angehoben, um die Sprachqualität weiter zu verbessern und den Anforderungen von Spracherkennungssoftware besser zu genügen. Zum anderen ist der Komprimierungsverlust beim Speichern von Tonspuren weiter verringert worden.